Katrin de Louw gestaltet ZOW_trend-Fläche: Einrichtungs- und Möbeltrends im gesellschaftlichen Wandel

[Bad Salzuflen, 07. Januar 2016] Wie wir künftig wohnen und uns einrichten werden hängt stark von gesellschaftlichen Strömungen und technischen In-novationen ab. Denn aktuelle Trends wie die Digitalisierung und Vernetzung spiegeln sich auch in der Gestaltung von Innenräumen und Möbeln sowie den dazugehörigen Materialien und Oberflächen wider. Diese Strömungen zu erkennen, hat sich Katrin de Louw als Trendscout und Inhaberin der Agentur Trendfilter zur Aufgabe gemacht.

 Die Innenarchitektin gestaltet auf der ZOW 2016 die Sonderfläche in Halle 20, wo sie gesellschaftliche Trends inszeniert, die unser Leben in den kommenden Jahren stark beeinflussen und sich da-mit auch auf das Möbeldesign auswirken. „Neben innovativen Produktneu-heiten werden auch inspirierende Ideen und Projekte von Hochschulen ge-zeigt“, sagt Katrin de Louw. „Damit geben wir den Besuchern aus Industrie, Design und Innenarchitektur weitreichende Informationen zur zukunftsfähi-gen Produktentwicklung an die Hand und bieten ihnen getreu dem ZOW-Motto ‚Eine Idee voraus‘ einen deutlichen Mehrwert.“

Die Trendfläche in der Halle 20 ist in die Bereiche ON, ON+OFF und OFF unter-teilt: Die erste hell gestaltete Trendbox mit dem Titel „ON“ thematisiert das Internet der Dinge, das als derzeit wichtigster technologischer Trend großen Einfluss auf unser Leben und die (Innen-)Architektur hat. Immerhin prognostiziert eine Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Gartner, dass bis zum Jahr 2020 rund 20 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein werden – heute sind es Schätzungen zufolge etwa 4,9 Milliarden. Im gleichen Maß werden die Datenmengen explodieren, die die vernetzten Geräte produzieren und untereinan-der austauschen. Dabei ist die zu erwartende Datenflut für Unternehmen Chance und Herausforderung zugleich: Auf der einen Seite ergeben sich neue Möglichkei-ten für Anwendungen und Innovationen, auf der anderen steigen allerdings die Anforderungen an den Datenschutz.

Digitale Vernetzung von morgen
Mit dem Internet der Dinge werden neue sogenannte Smart Objects kommen, die uns im Alltag begleiten. Einen ersten Eindruck davon können ZOW-Fachbesucher in der ON-Trendbox erhalten, wo neben bereits erhältlichen Produkten auch visionäre Studentenprojekte präsentiert werden. „SENSED von Tim Streilein und Alexander Wamhoff der Hochschule Osnabrück ist ein besonderes Highlight“, so die Trend-Expertin. „Dabei handelt es sich um eine Schreibtischleuchte, die die Sitzposition des Menschen nachahmt und so optisch mögliche Fehlhaltungen signalisiert.“ Sitzt eine Person gebeugt am Schreibtisch oder richtet sich wieder auf, tut es ihm die Leuchte gleich. Dadurch wird die Gesundheitsprävention aktiv gefördert – ein Aspekt, der künftig schon vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bei allen Produktentwicklungen eine bedeutende Rolle spielt, so auch in der vernetzten Welt.

Da mit fortschreitender Digitalisierung die Trennung von Arbeit und Freizeit kaum noch möglich ist, wird in der ON+OFF-Trendbox die Veränderung der Arbeitswelt durch die allgegenwärtige Datenverfügbarkeit thematisiert. Denn künftig kann und wird überall gearbeitet, was zu einer Überblendung von Arbeit und Freizeit führt. Arbeitsplätze und -zeiten werden variabler, Möbel in ihrer Funktion vielseitiger. Oberflächen können sich ändern, wenn die Umgebung von Arbeiten auf Freizeit wechseln soll und umgekehrt. „Die kurze Pause am Arbeitsplatz oder das gemütliche Arbeiten in der Freizeit bestimmen das Möbeldesign von morgen“, sagt de Louw. „Das wird im schwarz-weiß-geteilten ON+OFF-Bereich beispielhaft gezeigt.“

Die OFF-Trendbox wird dagegen der zunehmenden Sehnsucht nach Achtsamkeit gerecht. Denn umso digitaler der Alltag wird, umso mehr suchen die Menschen nach echten Erfahrungen und Erlebnissen. Dabei gewinnen alle Sinne, die das Internet (noch) nicht bedienen kann – nämlich das Fühlen, Riechen und Schmecken – besonders im Laden- und Objektbau an Bedeutung. Gleichzeitig steigt die Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung, wodurch der anhaltende Do-it-Yourself-Trend weiter befeuert wird – schließlich fördern die selbstgefertigten Produkte nicht nur die Kreativität und das haptische Erlebnis, sondern befriedigen auch den Wunsch nach persönlicher Wertschätzung. All diese Strömungen fängt die OFF-Trendbox mit ihren Exponaten ein: So zeigen Studenten der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur beispielsweise Möbel, die den Benutzer innehalten lassen und ihm eine neue Perspektive verschaffen, um den Moment genießen zu können. Darüber hinaus werden neue Oberflächenstrukturen, die die Sinne mit innovativer Beschichtungstechnologie begeistern, und konkrete Produktbeispiele für mehr Achtsamkeit in Zeiten der Digitalisierung gezeigt. Wie beispielsweise das Malbuch für Erwachsene, mit dem sich immer mehr gestresste Kopfarbeiter eine Auszeit gönnen, um Körper und Seele zu regenerieren. Oder die Offline-Oase, die die ZOW_trend-Fläche als Gegenpol zur vernetzten Welt abrundet: Die Lounge ist mit ihren hochwertigen Teesorten ein idealer Treffpunkt, um effektive Messegespräche in entspannter Atmosphäre zu führen oder sich während des ZOW-Besuchs kurz zu erholen.

Die ZOW 2016 findet vom 16. bis 19. Februar im Messezentrum Bad Salzuflen statt. Dort wird Katrin de Louw im zentralen ZOW_update-Vortragsforum in Halle 21 Dienstag bis Donnerstag um 11.30 Uhr „Einrichtungs- und Möbeltrends im gesellschaftlichen Wandel“ thematisieren. Führungen über die ZOW_trend-Fläche in Halle 20 werden Dienstag bis Donnerstag um 14.30 Uhr angeboten.

 

Kurzinterview Katrin de Louw

1. Was hat Sie dazu bewegt, die ZOW im kommenden Jahr zu unterstützen?
Ich kenne die ZOW seit Ihren Anfängen und arbeite seit vielen Jahren für eine Vielzahl ihrer Aussteller. Als Clarion jetzt diese Aufgabe an mich heran trug, habe ich diese nicht nur als sehr interessant empfunden, sondern wusste auch, dass es eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit sein würde.

2. Wie kann ich mir Ihre Arbeit als Trendscout genau vorstellen?
Wir recherchieren das ganze Jahr über mit verschiedenen Tools, wie z.B. die Internetrecherche, nationale und internationale Messebesuche, Austausch mit anderen Trendagenturen und Zukunftsforschern, Trendworkshops mit Designern etc. Dabei gehen wir auch aus unserer Branche heraus und beobachten sowohl gesellschaftliche Veränderungen als auch technologische und designrelevante Entwicklungen, die sich auf unsere Einrichtung auswirken können. Durch 18 Jahre Branchenerfahrung in der Möbelzuliefererindustrie können wir die beobachteten Trends sehr gut einschätzen in Ihrer Bedeutung für unsere Branche.

3. Die Digitalisierung ist ein Trend, welche relevanten Strömungen gibt es noch?
Es gibt Vieles, was unser Möbeldesign in den nächsten Jahrzehnten stark beeinflusst: der demografische Wandel, die wachsenden Anforderungen an nachhaltige Produkte, die Urbanisierung, ein neues Konsum- und Kaufverhalten, der Bedarf an Entschleunigung. Wir haben uns für die ZOW Sonderschau auf 3 Themen festgelegt: Internet der Dinge, Veränderung der Arbeitswelten und Achtsamkeit. Es geht eigentlich darum mal „ON“ und mal „OFFLINE“ zu sein und die Kunst dazwischen „umzuswitchen“.

4. Wie können sich Trends auf das Möbeldesign und die dazugehörigen Materialien und Oberflächen auswirken?
Trends beeinflussen alle Bereiche der Produktentwicklung, des Marketing und Vertriebs. Aber um das zu veranschaulichen, gebe ich Ihnen mal 2 Beispiele aus der Praxis: Meine Großmutter ist weit über 90 Jahre alt und hat einen guten, alten Fernsehsessel. Dieser ist so schwer, dass sie ihn nicht bewegen kann, obwohl das eigentlich in ihrem Wohnzimmer notwendig wäre. In einer älter werdenden Gesellschaft müssen die Möbel also unter anderem leichter werden. Ein weiteres Beispiel für Oberflächen: Unsere Finger berühren täglich sehr viele Touchscreens und glatte Flächen. Oberflächen, die also den Tastsinn auf andere Weise ansprechen, wie supermatte und strukturierte Flächen, gewinnen an Bedeutung.

5. Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit dabei?
Eine Wachsende. Dabei sind eine der treibenden Kräfte die (Innen-)Architekten, die mehr und mehr Verantwortung übernehmen für das, was sie planen. Da sind sie der Mehrzahl der Konsumenten noch voraus aber auch dort wird mehr und mehr nach der Herkunft der Materialien und dessen Wiederverwertbarkeit gefragt. Die junge Generation von heute konsumiert zunehmend bewusster, weniger, dafür wertiger.

6. Welchen Mehrwert bietet Ihre Sonderfläche den ZOW-Ausstellern und Besuchern?
Die ZOW_trend- Fläche ON/OFF bietet allen Designern, Innenarchitekten und Entwicklern der Möbelindustrie einen Blick über den Tellerrand und wird diese inspirieren für anstehende neue Produktentwicklungen und Designs. Sie zeigt zu den benannten Themen Zahlen und Fakten, konkrete Produktinnovationen als auch Ideen kreativer Studenten in äußerst interessanten Studentenarbeiten.